WENIGER IST MEHR


VON RÜDIGER ZUR BONSEN

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5. September 2021

Weniger ist mehr

Oder: Eine fortlaufende Echtzeitreportage Ihres Hausarztes zum Thema der aktiven Gewichtsreduktion | Teil 5


Eine Woche später |  Im Rhythmus

Geschafft: drei Wochen sind um, 3 kg Körpergewicht weg. Da ich an einem Abend aufgrund aktueller Umstände nicht mehr dazu kam Sport zu treiben, holte ich die Einheit samstags zusätzlich nach. Ich muss da schon konsequent bleiben, sonst bröselt mein Trainingsrhythmus. Aber rechtzeitig meldet sich jetzt auch die Muskulatur wieder auf der Brücke. Ich konnte mich langsam steigern und habe das Gefühl, dass jetzt weiteres Weiteres ohne weiteres gehen wird (?!).

Der späte Sommer ist schön, auf die Morgenfrische folgen 24 Grad – genau meine Temperatur! Joggen ist jetzt herrlich: auf der Strecke durch den Forst wechseln sich die Frische des Waldes und sonnenwarme Lichtungen ab. Kiefernduft erinnert an die Mittelmeer- oder die Atlantikküste, Mammutbäume an die großen Vettern an der US-Pazifikküste, Birken und Sumpf an Schweden, die Buchenallee an eine Kathedrale, die Holzbrücke im hohen Laubwald an den Sherwood forest. Ich bin auch dankbar für die Anregungen zur Biologie des Waldes und der Bäume, die uns der Eifel-Förster Peter Wohlleben gegeben hat. Selbst Japaner gehen neuerdings Waldbaden, na dann!

Ein schöner Ort zum Joggen in Köln ist jedenfalls auch der Decksteiner Weiher mit seinen Versetzungen der lauschigen Uferpromenade und den Alleen. Und da sind ja auch noch der Kalscheuer Weiher und der Adenauer Weiher und vieles mehr. Überhaupt der Stadtwald: es können keine echten Kölner sein, die ihn mit Plastikflächen bebauen wollen! Adenauer würde sich im Grab umdrehen!

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Viele laufen mit Kopfhörern, ich höre auf meinen Atemrhythmus und lasse die Gedanken schweifen.  In der Laufgruppe haben wir einiges Technische ausprobiert: die Laufuhr mit GPS Kontakt (damals neu) oder aber auch das Ultraschall-Doppler-Gerät des Fraunhofer-Instituts am Hosenbund, welches Strecke und Laufgeschwindigkeit auch im Tunnel und dichten Wald messen konnte. Das ist im Prinzip die gleiche Gerätetechnik, mit der wir in der Praxis u.a. die Halsschlagadern und deren Durchfluss ausmessen. Schließlich konnten wir unsere Laufgeschwindigkeit auch ohne Technik abschätzen wie z.B „wir laufen gerade einen 5:40 Schnitt“. Das ist für mich jetzt nicht relevant, jedoch ob ich meinen Atemrhythmus halten kann: ein/aus, einein/aus, kann ich diese kleine Verzögerung bei jeder zweiten Einatmung nicht mehr halten und atme ein/aus, ein/aus, bin ich zu schnell und werde „sauer“. Der Atemrhythmus ist freilich individuell und die mit den Kopfhörern synchronisieren vielleicht Lauf- und Songrhythmus. Bei der Herzdruckmassage machen wir das immerhin: „Staying alive“ von den Bee Gees!

GUT ZU WISSEN

Was heißt hier „sauer“ werden? Unsere Muskulatur braucht für ihre Tätigkeit Sauerstoff, wie das Feuer, zum Verbrennen der Energieträger. Reicht die Sauerstoffzulieferung bei erhöhter Tätigkeit nicht mehr aus, stellt sich der Stoffwechsel um, infolgedessen fällt in der Muskulatur vermehrt Laktat, also Milchsäure, an – das Milieu wird sauer. Den Grenzbereich, ab dem eine Sauerstoffschuld eingegangen wird, nennen wir die aerob/anaerobe Schwelle.

Unterhalb dieser verbrennen wir überwiegend die Fette als Schweröl im Dauerbetrieb, senken wir den Blutdruck und trainieren auf ruhige Ausdauer. Übersteigen wir sie, atmen wir heftiger, verbrennen wir mehr Superbenzin in Form von Kohlenhydraten (oder Restalkohol vom Vorabend) und lassen die Fette im Speck in Ruhe.

Die Schwelle können wir im Rahmen eines Belastungs-EKGs bestimmen. Auf aufsteigenden Belastungsstufen nehmen wir jeweils einen kleinen Tropfen Blut aus dem relativ unempfindlichen Ohrläppchen und bestimmen den Laktatspiegel. Der Verlauf der Messkurve zeigt uns die Watt-Zahl und die Pulsfrequenz, an der die Schwelle erreicht und überstiegen wird.

Gleichermaßen lässt sich später ein Trainingserfolg an der Verschiebung der Schwelle ermessen. Grob gilt auch als Anhalt: Schwellen-Pulsfrequenz 180 minus Lebensalter – oder: nur so schnell laufen, dass eine Unterhaltung mit Laufpartnern noch ohne Japsen möglich ist.

Man muss sie alle gelesen haben:
Individuelle Gedanken, Anregungen und wissenschaftlicher Input von Dr. med. Rüdiger zur Bonsen / Arztpraxis-Marienburg rund um das Thema aktives Abnehmen.

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